von der komposition

in den letzten tagen fand ich außerhalb meiner wohnung nur schwer einen platz zum flanieren unter freiem himmel. und damit meine ich nicht ein stück grünen rasen oder beton, sondern eine parkbank oder einen stuhl in einem café. alles war besetzt. als ich dann schließlich eine heruntergekommene bank, versteckt zwischen zwei wuchernden hecken fand, wurde ich sogleich von einer vielzahl von insekten begrüßt. irgendwie schien sich die komplette äußere komposition gegen mich zu sträuben oder hatte ich einfach nur pech gehabt?
will man die eigene idee des frühlings und des bevorstehenden sommers genießen, muss die komposition der handelnden personen stimmen. im drama hat fast jede figur seelische qualitäten, die keiner anderen gehören. jeder regisseur baut die komposition der handelnden personen auf diesen eigenschaften auf. das prinzip der komposition besteht darin, dass die an der handlung beteiligten figuren einander in nichts wiederholen, selbst wenn sie durch ein und dasselbe motiv miteinander verbunden sind. nun ist die ausbalancierung gefragt.
ich denke, das diese balance auch in diesen tagen streng von nöten ist. nicht ohne grund beschleicht mich permanent das gefühl, das die derzeitige komposition von menschen nicht ausgeglichen zu sein scheint. gemeint ist hier, das zu viele menschen mit denselben motiven eben nicht unterschiedlich, sondern gleich handeln. was zeichnet dann diese menschen aus?
die einzigartigkeit des menschlichen ich liegt in dem verborgen, was an ihm unvorstellbar ist. aber vorstellen können wir uns nur, was an allen menschen gleich, was allgemein ist. es gilt das individuelle zu enthüllen, entdecken und zu erobern. man kann die äußere gesamtkomposition nicht konrollieren, wie ein regisseur seine inszenierung. man kann sie beeinflussen, indem man versucht zu unterscheiden und versucht, dass die handelnden personen einander ergänzen und nicht ausschließen.
vielleicht bekommt dann jeder einen sitzplatz.

s.

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