vom cent

in diesen kalten januartagen ähnelt sich das verhalten der passanten auf den straßen mehr denn je. kaum stieß die kaltfront zu uns, überdeckte sie gleich unsere ersten hoffnungen eines frühen lenzes. trockenheit und eisiger wind legten sich über frohe frühlingsboten und reizen uns nun, den überlebenstrieb wieder mehr auf vordermann zu bringen.
die gesundheit steht auf der liste an erster stelle. wie ziehe ich mich an, damit ich mir am späten abend keine gedanken machen brauche, wie ich die körpermaschine warm und funktionstüchtig halte? dasselbe mit den füßen, die so leicht ohne genügend schutz zu eisblöcken erstarren können.
an zweiter stelle steht ein weiteres körperliches wohlbefinden, das die wärme im inneren des körpers erhalten soll. man greift zum traditionellen koffeinhaltigen heißgetränk; vielleicht auch mit einem extraschuss?
punkt nummer drei ist die psyche: wie macht man sich warme gedanken? ähnlich wie ich es in meiner impression "von der zwischenwelt" bereits geschildert habe, kann man z.b. zu festtagserinnerungen greifen und sein bewusstsein gegen argwohn und maulende kältemiesepeter abdichten. leider ist es häufig so, das man dem kapitalismus dann nicht ganz entkommt, sodass man letztendlich doch öfter zum geldbeutel greift um sich seine wärme teuer zu erkaufen. und oft führt dies zu einer gähnenden leere, die uns zusätzlich zum schockfrost, fast gänzlich zur eisskulptur erstarren lässt, wenn man einen blick auf den kontoauszug wirft. ganz ehrlich: wer tut das schon gern?
doch woher bekommen wir das glück der wärme, wenn uns das zahlungsmittel, welches wir wohl brauchen, nicht zur verfügung steht? was sollen wir machen, wenn wir in einen eiskalten bankrottzustand geraten? erfrieren vor finanznot, oder zur nächstbesten brennenden tonne laufen?
interessant beim täglichen weg zur uni, zur arbeit, oder einfach nur beim spaziergang, sind ja stets die sachen, die keinem auffallen. paradoxerweise fallen die unauffälligen sachen am meisten auf. wie die cent-stücke auf dem boden. in den letzten wochen erblickte ich jeden tag mindestens drei von ihnen. manche im wert von eins, manche im wert von zwei, andere im wert von fünf.
der glaube an den "glückspfennig", den schon unsere großeltern hegten, hat sich nun in der zeit des euros auch auf den cent übertragen. der cent, der den kleinsten wert beinhaltet, findet auf dem einen oder anderen weg in unseren geldbeutel. der glückscent, den wir finden, wiederum, hat eine spezielle funktion: er impliziert einen schutz vor der totalen armut. er steht für den größten reichtum, den man erlangen kann: das wissen darüber, dass man trotz materieller armut, der glückliche finder dieses cents ist.
die wertvollsten und wärmsten errungenschaften sind die, die man alleine und nur für sich entdeckt. sicherlich, von einem cent kann man sich nicht viel kaufen, keine wärmflasche, keine mütze, vielleicht ein stück faden. aber das ist auch garnicht nötig. der reichtum und das wissen darum, dass der glückscent für etwas steht, was man immernoch erlangen kann, soll uns ermutigen, nicht in der kälte stehenzubleiben, sondern auszuharren und bestrebt sein weiter auf die suche nach cents zu gehen, sie manchmal sogar liegen zu lassen.
die cents stehen für unsere liste, der zu wärmenden dinge. sie sind das taschentuch, das die triefende nase endlich erlöst, der handschuh, der schal und so manch wärmendes wort eines weiteren finders eines glückscents.

s.

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